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THEMA 2. In der Nähe des Krieges

Aus dem gesellschaftlichen Hintergrundrauschen meinen wir Alarmsignale zu vernehmen. Die Vorahnung gibt einen neuen Alltagsrhythmus vor – Rhythmusverletzungen werden sanktioniert. Der ukrainische Kontext – man glaubt es kaum – gerät noch mehr durcheinander. Ahnungslosigkeit macht sich breit und verlangt nach Erklärungen und Kräftemobiliserung. Sie deutet auf die Absurdität und Aussichtslosigkeit des Aufbegehrens. Gebannt und bangend sind wir ganz Ohr und ganz Auge für die Medienbotschaften, die sämtlichen Zeichen der gegenwärtigen Realität das Bild der Totgeburt aufprägen. Dankbar für die traditionell simplen Erklärungen richten wir uns Verstecke ein, tragen Vorräte zusammen, putzen die abgewetzte Uniform ab und machen uns bereit, dem Feind zu begegnen. Alle kennen seinen Namen. Er ruht in der Glasnost-Grube. Er ist identifiziert; und dennoch werden unsere Reihen abgebaut, und die Alarmzeichen immer lauter.

Unser Lebensraum ist mit einer Kriegskulisse ausgestattet. Genaugenommen bildet der Krieg das Konstrukt einerseits des Außenraumes und andererseits der persönlichen Verfassung. Der Mensch ist wieder einmal von den jetzigen Ereignissen entfremdet und von einer Sehnsucht nach Grenzerfahrungen durchdrungen, in welchen sich das Helden- und das Feindbild klar abzeichnen. Der Fokus des Individuums ist auf einen Punkt gerichtet: der Feind ist allein, aber unbesiegbar, und natürlich etwas mystisch und unergründlich. Sein Name ist das allen bekannte Losungswort. Die den Kriegen eigenen Plünderungen machen ebenfalls davon Gebrauch: die Türen öffnen sich, kaum hat man das Wort „Krise“ ausgesprochen. Das entfremdete Einverständnis bedeutet die Bereitschaft, zu den Waffen zu greifen oder selbst zur Waffe heranzureifen – zum Sprachrohr für eine Idee, die nicht dem Alltäglichen angehört, aber gleichzeitig auf eine absurde Weise seinen vermeintlichen Ausgangspunkt, seinen Ursprung und die Antwort auf die Fragen, welche die Alltäglichkeit aufwirft, bildet.

Mit Schwierigkeiten verbunden ist das Warten auf den Befreiungshelden. Das Heer wartet auf den Kommandanten, wobei, wenn ich beim lokalen Kiewer Beispiel bleiben darf, der totemhafte Neujahrsbaum auf dem Majdan oder das tragisch prognostische Hungersnot-Denkmal wohl kaum diese Funktion erfüllen werden. Wird der Held im Trubel der Feierlichkeiten in Erscheinung treten oder etwa aus dem Schaum des Hasses gegenüber dem Fremden geboren werden? Laufen wir nicht Gefahr, am Ende den Helden vom Feind nicht unterscheiden zu können? Macht eine solche Unterscheidung jetzt überhaupt Sinn? Oder ist es an der Zeit, die zerschlissene Militäruniform abzuschütteln und sich der eigenen Verantwortung und seiner selbst als Subjekt bewusst zu werden?

Prostory erklärt den Krieg zum Thema. Wir halten den Krieg für eine der wichtigsten Metaphern, die eine Realität beschreiben können, die nicht von Grenzlinien, Fahnenstreifen und historischer Zeit durchzogen ist. Im Rahmen dieses Themas sollen Texte veröffentlicht werden, welche die oben erwähnten Fragen vollständig, teilweise oder gar nicht beantworten.

Aus dem Ukrainischen von Anna Latsanitch

 

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